Jahreswechsel
10. Januar 2012

Ein gleichzeitig so spektakuläres und unspektakuläres Silvester habe ich noch nie erlebt. Der letzte Tag des Jahres 2011 war eher unspektakulär. Aus nostalgischen Gründen wollte L. gerne den Uni in Miami besuchen und so bekam auch ich den Campus zu sehen, der doch etwas anders ist, als der in Bloomington – vor allem, weil dort anscheinend niemand versucht hat, die Illusion zu schaffen, es handle sich um lauter uralte Gebäude. Da alles über die Feiertage geschlossen war, war leider auch nicht so viel Interessantes zu sehen: Der Bibliotheksgeruch war nur durch einen Türspalt zu erahnen und auch gegenüber der Bib gab es keinen Erinnerungs-Kaffee für L.. Da blieb uns wenig anderes übrig, als uns auf eine Wiese unter Palmen in die Sonne zu legen und die Papageie, die laut lärmend über den Campus flogen zu beobachten. Nachmittags holten wir nur unseren Gastgeber vom Flughafen, ein persönlicher Pick-Up-Service als Dankeschön für so viel Gastfreundschaft.
Auch er hatte noch keine Pläne für den Abend (Silvester), sodass wir schließlich einfach mal Richtung Innenstadt und Wolkenkratzer fuhren. Am Meerufer, direkt an die Innenstadt angrenzend befindet sich in Miami „Bayside“, eine Touristen-Einkaufszentrum, an dessen Anleger einige Jachten liegen, bunte Lichter einige Open-Air-Cocktailbars beleuchten und von wo aus man Bootstouren an den Promi-Villen vorbei machen kann. Außerdem war in der Nähe eine Bühne aufgebaut, wo zum Jahreswechsel Ludacris auftreten sollte. Nach einem unglaublich leckeren peruanischen Abendessen (A. bestellte im Alleingang verschiedene Dinge, die wir drei teilten (schließlich ist er Peruaner und wusste Bescheid) – was kam war eines der besten Essen, die ich seit langem gegessen habe), machten wir es uns also mit tausenden anderen Menschen am Ufer bequem. Ludacris war nicht so mein Fall, das lange und special-effect-reiche Feuerwerk über dem Wasser schon. Der Blick durch Palmen auf das Meer auf der einen Seite und die beleuchteten Wolkenkratzer auf der anderen war einfach spektakulär. Tja, und plötzlich war 2012.
Da unser neues Jahr gleich mit einer langen Autofahrt auf die Florida-Keys beginnen sollte (planungstechnisch war der 1.1. der einzig mögliche Tag für diesen Ausflug), machten wir uns nach dem Feuerwerk gleich auf den Heimweg. Ich glaube, das letzte Mal war ich mit sechs an Silvester um 1 Uhr nachts im Bett – prompt in Miami habe ich das wiederholt. Aber unser Ausflug auf die Keys hat sich gelohnt und dieses „Opfer“ gerechtfertigt.
Die Florida Keys sind so etwas wie die südliche Verlängerung der Florida-Landzunge in Richtung Kuba. Der südlichste Punkt ist tatsächlich nur 90 Meilen von Kuba entfernt – obwohl die beiden Länder wohl mehr trennt, als nur das bisschen Wasser. In Florida und vor allem in Miami ist der Einfluss kubanischer Einwanderer offensichtlich, wie ich ja schon berichtet habe.
Die Florida Keys sind laut Wikipedia Koralleninseln und mit unserem Autochen fuhren wir über Brücken von einer zur nächsten. Von hoch oben blickt man dann auf den Ozean, Strände und grüne Inseln. Am Ende der letzten Brücke liegt dann eben Key West (jener südlichste Punkt), der mit viel Touristen-Schnickschnack auf alle Ankömmlinge wartet. Touristen-Schnickschnack gibt mir bekanntlich wenig. mein Augenschmaus war eher die Südstaaten-Architektur, die grüne, teilweise dschungelartige Vegetation, die manchmal ganze Häuser fast in sich verschlang und die Pelikane und Möwen, die sich verwitterte Pfosten wenige Meter vor der Küste im Wasser teilten. Etwas seltsam sah in dieser Szenerie bei ca. 28 °C allerdings die Weihnachtsdeko aus. Seit ich im Sommer angekommen war, war Weihnachten für mich irgendwie vorbei.
Mit unserer Rückkehr nach Miami an diesem Tag war auch unser gemeinsamer Aufenthalt dort fast schon wieder vorbei. Bereits am nächsten Tag machten wir uns morgens wieder auf den Weg zur Westküste – mit Zwischenstopp in den Everglades. Das ist allerdings Stoff für einen weiteren Eintrag. Also: Fortsetzung folgt.
(Ein umschlungener Baum auf dem Uni-Campus)
(Die Hauptstraße auf Key West)
(Ein Haus “im Grünen” auf Key West)
(Vögel und Wasser. Sorry für die wiederholten Sonnenuntergänge…)



