Stück für Stück. Heutiges Häppchen Florida: The Everglades.

13. Januar 2012

Schon auf dem Weg nach Miami waren wir auf einem Highway durch Sumpf- und Graslandschaften gefahren. Mit dem Ziel, die Everglades tatsächlich zu besuchen, wagten wir uns weiter südlicher auf einer kleineren Straße näher in Richtung ihres Zentrums vor. Erster offensichtlicher Unterschied zum Highway: Die Alligatoren wenige Meter von der Straße entfernt. Neben der Fahrbahn war ein kleiner Kanal, an dessen Ufer alle paar Meter Alligatoren unterschiedlicher Größenordnung lagen. Dunkel auf gelbem, trockenem Gras waren sie deutlich zu sehen, während sie faul in der Sonne lagen (da wäre ich zum Gucken lieber auf dem Beifahrersitz als hinter dem Steuer gesessen – aber auch als wir willkürlich am Straßenrand anhielten war ein kleiner Alligator in der Nähe zu sehen). Zweite Auffälligkeit auf der Straße: Das Schild „Panthers crossing“. Anscheinend gibt es noch ca. 150 Panther in den Everglades, von denen natürlich besser keiner dem Verkehr geopfert werden sollte.

Mit L. gemeinsam machte ich eine Bootstour in Richtung offenes Meer, an vielen kleinen, dicht mit Mangroven bestandenen Inselchen vorbei und es dauerte nicht lange, bis einer unserer Mitpassagiere „Delfine“ rief. Unsere leise Hoffnung wurde also erfüllt! Circa fünf Delfine tummelten sich bald im Wasser um unser Boot und drei sollten wir für eine ganze Weile beobachten können. Ich hatte in meinem Leben noch nie freilebende Delfine gesehen und war deshalb ganz begeistert, wie verspielt die um unser Boot schwammen, sich stolz (?) über Wasser zeigten und auch mal sprangen. Da keine Kinder an Bord waren, war der amerikanische Kapitän „ehrlich“, was die drei Delfine anging, die da ständig unter unser Boot gerieten: Die waren gerade mit der Fortpflanzung beschäftigt. Warum drei? Weil der zukünftige Vater einen „buddy“ brauchte, der seine Geschlechtspartnerin von der anderen Seite stützte. Da das nicht immer so gut zu funktionieren schien, kam ihm unser Boot ganz gelegen, an dessen Unterseite er sie pressen konnte. Zwischendurch verfolgten sie sich allerdings um unser Boot, spielten und neckten einander und unterhielten uns.


Bis wir wieder zurück am Ufer waren, war die Sonne beinahe verschwunden und wir fuhren weiter in Richtung Westküste, wo ich mich am nächsten Morgen in Naples von L. trennen musste. Nach einer Woche „Familienzeit“ in der Kälte Minnesota war es eine schöne Woche „Freundeszeit“ im floridianischen Sommer gewesen, die mir richtig gut getan hat. In der Fremde soviel Vertrautheit zu treffen ist schon schön.

Alleine weiterzufahren fühlte sich dann erstmal komisch an. Um aber ein Gefühl der Leere erst gar nicht zu groß werden zu lassen, hatte ich mir für den ersten Tag einen weiteren Besuch in den Everglades (die nicht weit von Naples entfernt sind und eh halb auf meinem Weg lagen) vorgenommen. Diesmal wollte ich eher in die Sümpfe selbst fahren – mit einem Airboat, wie das dort überall angeboten wird. Diese Airboats werden von einem großen Propeller über Wasser angetrieben, weshalb sie auch durch flaches Wasser und notfalls sogar Morast fahren können. Mit fünf anderen Deutschen nahm ich also auf dem Sechs-Mann-Boot Platz und fühlte mich ganz schön nah an der Bootskante und der Wasseroberfläche. Kaum hatten wir das Hafengebiet verlassen ging es auch schon los mit einem Höllentempo, das ich definitiv nicht erwartet hatte (ich hatte mich eher auf gemütliches Gucken, denn auf eine rasante, windgepeitschte Fahrt eingestellt). Zu beiden Seiten der schmalen Kanäle standen wieder Mangroven, deren Wurzeln sich ineinander verschlangen und den Boden vollständig versteckten. Mangroven sind die einzigen Bäume, die mit Salz im Wasser zurechtkommen und entsprechend war kein einziger anderer Baum dazwischen zu sehen. Irgendwie erinnerten mich diese Wälder mit dem Wurzelgeflecht, das kein wirkliches Betreten des Landes erlauben würde, an magische Wälder aus Harry Potter oder dem Herrn der Ringe. Je schmaler die Kanäle wurden, je mehr auch das Licht von den Bäumen, die sich über die Wasserwege neigten, geschluckt wurde, desto mehr hatte auch ich das Gefühl, diese Wälder könnten auch uns jederzeit schlucken. Durch diese Kanäle schossen wir also mit einem Affenzahn und unser Bootsführer machte sich einen Spaß daraus, auch wilde Schlenker in die Fahrt einzubauen – während ich mich an die Haltestangen klammerte. Je weiter wir in die Sümpfe vordrangen, desto häufiger mussten wir durch spritzenden Schlamm fahren und desto öfter kamen wir durch Tümpel, die streng modrig und nach faulen Eiern rochen. Genau an einer Stelle, an der es besonders übel roch, sahen wir unseren ersten Alligator. Nur zwei Meter von der Stelle entfernt, an der wir zu einem Halt gekommen waren, lag er im schlammigen Wasser und beäugte uns (ich erinnere hier nochmals an meine Nähe sowohl zum Wasser als auch zur Bootskante…). Ganz geheuer waren wir ihm wohl nicht, weshalb er ab und an mal abtauchte. Aber so wirklich schienen wir auch den Aufwand einer Flucht nicht zu lohnen, weshalb er dann doch nahe bei uns liegen blieb und uns seinen ca. zweieinhalb Meter langen Körper betrachten ließ (anscheinend war das eher ein mittelgroßes Exemplar, da Alligatoren da bis zu 3-4 Meter lang werden können). Zwei weitere sollten wir noch sehen, für mehr war das Wetter wohl schlicht nicht sonnig/warm genug.
Neben den Mangroven-Wäldern mit den Alligatoren durchquerten wir auch ein paar offenere Bereiche, die eher mit Gras und Schilf bewachsen waren und wo hunderte Vögel – vor allem Reiher – in die Luft stiegen, wenn wir uns näherten. Durch den Riesenlärm, den der Bootspropeller machte, war allerdings gar nicht daran zu denken, nahe an diese Vögel heranzukommen…

Als wir gerade etwas gemütlicher fuhren, habe ich mich auch getraut, ein Video zu machen (bei einer Fehlermeldung wegen Umadressierung hier der Direktlink: http://youtu.be/cZQEfOTixDU):


Nach diesem actionreichen Ausflug brauchte ich abends nicht mehr viel Programm. Ich hatte mir den größeren Teil der Strecke bis Hollywood (ja, so hieß die Stadt nördlich von Miami, wo mein Hostel gebucht war) für Abends aufgespart und dort angekommen beschloss ich, mit einer Zimmergenossin einfach noch ins Kino zu gehen. (War Horse (nicht besonders empfehlenswert)).

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