Heading for the Capital

27. Januar 2012

Mit inzwischen gewohnter Verspätung komme ich nun endlich dazu, von meinem Ausflug nach Washington, D.C. zu berichten. Zu diesem Wochenend-Trip kam ich mit etwas Glück: Schon im November hatte eine der Wohnheimsverwaltungen, die auch Programme zur sozialen und politischen Bildung auflegen, einen Civil Rights Immersion Trip ausgeschrieben. Jedes Jahr zum Martin Luther King Day fahren sie mit einem Bus voller Studenten zu einem Ort, der für die Entwicklung der Bürgerrechte in den USA von geschichtlicher Bedeutung ist. Dieses Jahr fiel die Wahl auf Washington, D.C., da dort im vergangenen Herbst ein Denkmal für Martin Luther King eingeweiht worden war. Als Amnesty-Mitglied interessiere ich mich nicht nur zufällig für die Bürgerrechte, deshalb schaute ich mir die Ausschreibung genauer an und entdeckte, dass sich dahinter ein echt attraktives Angebot versteckte: Die Bewerbung mit Motivationsschreiben etc. war zwar etwas Aufwand, doch wer ausgewählt wurde zahlte $25 und bekam dafür Bustransfer, Hotel, Frühstück, Eintritte und Führungen. Inzwischen bewerbungsgeübt formulierte ich also mein kleines Schreiben und hoffte – nicht vergebens. Bei Kälte und Schnee bestieg ich am Abend des 12. Januar, sechs Tage nachdem ich aus dem sommerlichen Florida zurückgekehrt war, also einen Reisebus nach Washington. 12 Stunden Fahrt durch Ohio, Pennsylvania und Maryland standen mir bevor, 12 Stunden, die ich trotz nächtlicher Stunde sehr intensiv wahrnahm: Trotz heftigem Schnee und weißer Fahrbahn gab sich unser Busfahrer alle Mühe, im Zeitplan anzukommen, fuhr entsprechend schnell und 7 Stunden am Stück mit nur einer 15-minütigen Pause. Wie sehr wünschte ich mir plötzlich EU-Regularien, die so etwas mit komplizierter Kontroll-Technologie verhindert hätten…

Unser erster Programmpunkt in der Hauptstadt war die National Portrait Gallery (Teil des legendären Smithsonian (weltgrößtes Museum)), in der wir eine themenspezifische Führung bekamen. Wir marschierten also fix an allen berühmten Bildern, wie den Präsidentenporträts, die auf den Dollarscheinen abgebildet sind, vorbei zu denen, die sich mit der Bürgerrechtsbewegung und ihren Akteuren auseinandersetzten. Für mich war die Führung eine der ersten Gelegenheiten, meine „Mitreisenden“ kennenzulernen. Ein Mädchen hinterließ auch gleich einen bleibenden Eindruck: Wir unterhielten uns über ein Farbfoto aus den 30er, dessen Farben so klar und kräftig waren, dass es auch dieses Jahr entstanden sein könnte. Sie meinte dann, die Erklärung gefunden zu haben: „Das kann man ja mit Photoshop nachfärben.“ Hmmm, naheliegende Vermutung in einem Museum? Ich habe mich dann mal lieber mit dem Geschichts-Grad Student unterhalten, der sie darauf hingewiesen hat, dass die Farbfotografie an sich  schon vor 1900 entwickelt worden war. V. ist aus Russland und gerade Research Scholar an der Indiana University, da es in den USA zu manchen Bereichen der späten Sowjet-Geschichte mehr Material gibt, als in Russland selbst. Er interessiert sich für das Schulsystem von 1985-1992, wozu damals nicht so viele Aufzeichnungen gemacht wurden. „Zum Glück“ haben die Amerikaner alles genau beobachtet und niedergeschrieben…

Immer einen Geschichtsstudenten in Gesprächsnähe zu haben war ganz schön praktisch an einem so geschichtsträchtigen Ort wie Washington. Gleich am Morgen unseres ersten Tags ging es auch gleich ins Zentrum von Geschichte und Staat: Wir besuchten Capitol Hill und bekamen eine Führung durch das Capitol. Es war schon beeindruckend: Viel Marmor, viel Prunk, viele große Namen. Allerdings schien die aktuelle Politik doch ziemlich weit weg zu sein. Bis zum Ende habe ich nicht ganz verstanden, ob die Politik mit ihren Parlamentssitzungen etc. einfach im unzugänglichen anderen Flügel stattfindet – so fühlte es sich jedenfalls nicht an.

Bevor dieser Artikel wieder zu lang wird, verschiebe ich den Rest und widme den restlichen Platz noch ein paar Fotos: Die ersten beiden sind in irgendwelchen Straßen Washingtons entstanden – ich fand es so schön, dass die Häuser nicht aus grauem Holz waren, sondern in manchen Ecken fast schon englisch wirkten (durch die schönsten Ecken sind wir leider zu schnell gefahren, als dass Fotos möglich gewesen wären). Indiana ist so “jung”, dass die normalen Häuser hier selten historisch aussehen. In Washington war das anders, diese Stadt war sichtlich älter und hatte ganz nette Viertel. Außerdem natürlich auf den letzten beiden Fotos: Das Capitol. Einmal aus dem Bus, einmal aus der Nähe.

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